EXLIBRICUM

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Was ein Exlibris über die Geschichte verrät

Es war eigentlich nur ein reiner Zufallsfund in einer ersteigerten Sammlung, die ich, der Hitze trotzend, gerade bearbeite: ein ExLibris von Maksymilian Goldstein aus Lwow.

Schon auf den ersten Blick fiel auf, dass es sich um ein schönes Bild handelt, reichhaltig in der Symbolik, spannend zum Erforschen.

Ganz oben, seitlich des David-Sterns findet sich ein polnischer Adler, daneben Pogon, Wappen Litauens, mit welchem Polen lange Zeit in einer Union verbunden war. Das aufgeklappte Buch in der Mitte verrät: “Biblioteca Numismatica”, ein perfekter Fund also für meine Sammlung numismatischer ExLibris.

Doch hinter dem ExLibris steht noch viel mehr.

Maksymilian Goldstein wurde 1880 in Lwow geboren. Er arbeitete bei verschiedenen Banken wie Stroha, Sokala, Liliena, oder in der lokalen Dependance der Österreichischen Kreditanstalt sowie der Dyskontbank Warschau. Daneben war er Sammler und Kenner von ExLibrisen sowie u.a. Begründer des Jüdischen Museums, sowie ein Numismatiker.

Gemeinsam mit Karol Dresdner schrieb er ein Buch über jüdische Kultur und Kunst auf polnischem Gebiet, welche als Katalog seiner persönlichen Sammlung an Judaicas galt.

Seine ExLibris-Sammlung war beträchtlich und zählte mehrere Tausend Exemplare, darunter auch welche von Bruno Schulz.

Wie andere Juden endete sein Leben 1942 aus der Hand des deutschen Besatzers, wo er im Konzentrationslager Janowska erschossen wurde. Auch seine Frau und Tochter starben in diesem Lager.

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